Durchführung von Kursen zur Aus- und Fortbildung während der COVID-19-Pandemie

AutorInnen: Jens Schwindt, Lucas Pflanzl-Knizacek, Franz Josef Nierscher, Peter Hoffmann, Eva-Maria Singraber, Francesco Cardona, Gudrun Burda, Markus Köstenberger, Alexander Egger, Joachim Schlieber, Michael Baubin

Vorwort

Seit März dieses Jahres bestimmt die COVID-19-Pandemie das gesamte öffentliche Leben in den meisten Ländern der Welt. Die dramatischen Bilder aus zahlreichen Ländern, die eine massive Überlastung des medizinischen Systems mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Menschen und die gesamte Gesellschaft zeigen, sind Österreich bisher glücklicherweise erspart geblieben. Diese Überlastung auch weiterhin zu verhindern und die Konsequenzen einer möglichen „zweiten Welle“ abzumildern, muss weiterhin das Ziel allen gesellschaftlichen Handelns sein.

Der Österreichische Rat für Wiederbelebung (Austrian Resuscitation Council - ARC) sieht sich hier in einer besonderen Verantwortung. Durch das standardisierte Training medizinischen Personals in zahlreichen unterschiedlichen Kursformaten, von der Notfallversorgung Erwachsener über Kinder- und Jugendliche bis zum Neugeborenen, hat der ARC in den letzten Jahren einen entscheidenden Beitrag zur Aus- und Weiterbildung in der Notfallmedizin in Österreich geleistet und damit zu einer deutlichen Verbesserung der PatientInnensicherheit im präklinischen und klinischen Bereich beigetragen.

Mit Beginn der Pandemie haben die KursorganisatorInnen und -direktorInnen des ARC sehr schnell Verantwortung für Ihre InstruktorInnen und KursteilnehmerInnen übernommen. Alle Kurse des ARC wurden bis auf weiteres abgesagt, um einerseits eine weitere Ausbreitung des Virus gerade über Kurse, an welchen überwiegend medizinisches Fachpersonal teilnimmt, zu verhindern. Andererseits haben in Zeiten der akuten Krise selbstverständlich die PatientInnenversorgung und die Umsetzung der Maßnahmen zur Gefahrenabwehr oberste Priorität.

Für den Moment scheinen diese Maßnahmen ihr Ziel sehr effektiv erreicht zu haben. Die Krise hat aber auch gezeigt, wie entscheidend gut ausgebildetes und trainiertes medizinisches Personal für eine effektive und sichere Versorgung von PatientInnen ist. Dies bedeutet, dass auch die Kurse des ARC umgehend wieder aufgenommen werden müssen, um die Aus- und Weiterbildung medizinischen Personals weiterhin effektiv zu unterstützen und fortlaufend zu erweitern.

Für eine heute unüberschaubare Zeit werden wir allerdings mit SARS-CoV-2 leben müssen und dies hat selbstverständlich auch Konsequenzen für die inhaltliche und organisatorische Durchführung unserer Reanimationskurse. Über das Infektionsrisiko während der Reanimation von COVID-19 PatientInnen ist aktuell nur eine sehr limitierte Evidenz vorhanden [1]. Im Gegensatz zum normalerweise 5-jährigen Intervall von Änderungen von Erkenntnissen und Empfehlungen in der Reanimation, stehen die Kurse daher in diesen Zeiten vor der enormen Herausforderung, im Grunde „tagesaktuell“ die zum Kurszeitpunkt bestehenden Empfehlungen zum Umgang mit COVID-19-PatientInnen vermitteln zu müssen. Zudem müssen auch die, zum Kurszeitpunkt aktuellen Empfehlungen bezüglich der Verhinderung der Infektionsausbreitung in den Kursen berücksichtigt und effektiv umgesetzt werden.

Am 24.4.2020 hat das European Resuscitation Council (ERC) Leitlinien zu COVID-19 veröffentlicht [2]. Diese nehmen sowohl Bezug auf medizinisch-inhaltliche Besonderheiten bei PatientInnen mit COVID-19 als auch zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Organisation von Aus- und Weiterbildung.

Da einerseits die Pandemie deutliche regionale Unterschiede zeigt und andererseits auch die Gegebenheiten in den medizinischen Systemen in den einzelnen Ländern Europas unterschiedliche sind, hat der Österreichische Rat für Wiederbelebung auf Basis der Empfehlungen zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 der Republik Österreich und der COVID-19-Guidelines des ERC dieses Positionspapier für Österreich erstellt, um KursorganisatorInnen, - direktorInnen und InstruktorInnen bei der Wiederaufnahme der ARC- Kurse zu unterstützen. Die Empfehlungen beruhen auf der Situation am 1. Juni 2020 und werden, bei sich ändernden Gegebenheiten, fortlaufend über die Homepage www.wiederbelebung.at/covid aktualisiert.

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Gesetzliche Grundlagen zur Durchführung von Aus- und Fortbildungsveranstaltungen

Grundsätzlich sind die jeweils aktuellen gesetzlichen Bestimmungen der Republik Österreich auf Basis des COVID-19-Maßnahmengesetzes zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 einzuhalten.

Die unten stehenden Empfehlungen berücksichtigen die 231. Verordnung des Bundesministers für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, mit der die COVID-19-Lockerungsverordnung (2. COVID-19-LV-Novelle) in Bezug auf Schulungen, Aus- und Fortbildung vom 27. Mai 2020, geändert wird und die das Betreten von Örtlichkeiten zum Zwecke der Schulung, Aus- und Fortbildung unter Auflagen bezüglich des Hygieneschutzes bis zur Höchstgrenze von 100 Personen wieder erlaubt.[3]

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Auf Basis dieser Verordnung wurden die  Empfehlungen der am 24.4.2020 vom European Resuscitation Council (ERC) veröffentlichen Leitlinien zu COVID-19 (www.erc.ecu/covid) Leitlinien, auf Grundlage eines Consensus on Science, Treatment Recommendations and Task Force Insights [4], für Österreich bezüglich der Durchführung von Reanimationskursen adaptiert und dieses Dokument entsprechend dem aktuellen Stand der Empfehlungen verfasst.

Bei einer Änderung der Pandemiesituation und/oder Änderung offizieller Anordnungen oder Empfehlungen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung wird das Dokument durch den ARC aktualisiert.

Unter http://www.wiederbelebung.at/covid findet sich jeweils die aktuelle Version dieses Dokuments und die damit verbundenen Empfehlungen.

Allgemeiner Teil

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Spezieller Teil

Entsprechend der aktuellen pandemischen Situation sollen die im allgemeinen Teil beschriebenen Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe in allen Kursformaten vor, während und nach dem Kurs umgesetzt werden.

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Literatur

[1] Couper, K., Taylor-Phillips, S., Grove, A., Freeman, K., Osokogu, O., Court, R., Mehrabian, A., Morley, P.T., Nolan, J.P., Soar, J. and Perkins, G.D., 2020. COVID-19 in cardiac arrest and infection risk to rescuers: a systematic review. Resuscitation.resuscitation.2020.04.022

 

[2] https://www.erc.edu/covid

 

[3] https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/II/2020/231

 

[4] Perkins, G.D., Morley, P.T., Nolan, J.P., Soar, J., Berg, K., Olasveengen, T., Wyckoff, M., Greif, R., Singletary, N., Castren, M. and de Caen, A., 2020. International Liaison Committee on Resuscitation: COVID-19 consensus on science, treatment recommendations and task force insights. Resuscitation.

 

[5] https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20011167

 

[6] Monsieurs, K.G., Nolan, J.P., Bossaert, L.L., Greif, R., Maconochie, I.K., Nikolaou, N.I., Perkins, G.D., Soar, J., Truhlar, A., Wyllie, J. and Zideman, D.A., 2015. European resuscitation council guidelines for resuscitation 2015 section 1. Executive summary. Resuscitation, 95, pp.1-80.

 

[7] Yeung, J.H., Ong, G.J., Davies, R.P., Gao, F. and Perkins, G.D., 2012. Factors affecting team leadership skills and their relationship with quality of cardiopulmonary resuscitation. Critical care medicine, 40(9), pp.2617-2621.

 

[8] https://www.wko.at/branchen/tourismus-freizeitwirtschaft/hotellerie/coronavirus-wiedereroeffnung-betriebe.html

 

[9] https://www.sozialministerium.at/public.html